Wasserspiele beim Drei-Talsperren-Marathon

Letzten Sonnabend (17. September) fuhr ich bei strömenden Regen und Nebel nach Eibenstock. 4 Wochen zuvor erfuhr ich, dass der Marathon dieses Jahr nur 39 km kurz sein wird, da es Bauarbeiten an der Talsperrenmauer Sosa gibt. Deshalb stand für mich erstmal fest, diese Distanz nicht in Angriff zu nehmen. Eine Woche vor dem Lauf entschied ich mich dann doch dafür, weil ich lieber die vielen Kilometer für mein Marathontraining haben wollte. Außerdem rechnete ich mir in der Wertung Sächsische Behördenmeisterschaft im Bewerb Marathon mehr aus als beim Halbmarathon.

Kurz vorm Start ließ der Regen erstmal nach, weshalb ich doch auf Ärmlinge verzichtete. Dieses Jahr starteten wir mal auf der Tartanbahn, bogen allerdings nach 10 m links zum alten Start und auf gewohnte Streckenführung ab. Holger Zander setzte sich sofort ab und sollte das Rennen unangefochten gewinnen. Ich befand mich trotz normalen Tempos auf Platz 2 mit kleinem Vorsprung. Nach dem leichten ZickZack durch Eibenstock erreichten wir am Ortsrand den Wald. Von nun an ging es bis km 8 stetig leicht bergan. Von hinten gesellte sich ein junger, großer Läufer in gelb zu mir. Ich beschloss, hinter ihm zu laufen, da ich nicht schneller laufen wollte. Dann kam noch Christian Helmert von hinten dazu. Er war 2015 beim Rennsteig-nonstop (169 km) einen Platz vor mir im Ziel. So waren wir zu dritt, der „Gelbe“ machte die Führungsarbeit. Richtung erster Getränkestelle kurz vor Carlsfeld auf dem 8. km fiel Christian allmählich zurück. In Carlsfeld gab es die erste Streckenänderung, der Anstieg hinauf zur Talsperre blieb trotzdem steil. Wir liefen zu zweit nebeneinander. Beim Blick zurück erkannte ich 2 andere Läufer. Nach 9,8 km war der höchste Punkt oberhalb der Talsperre Carlsfeld erreicht. 10 km in 48:0x min.

Nach der Staumauer ging es wieder links runter, der Gelbe setzte sich ab, ich konnte und wollte nicht mitgehen, von hinten schloßen die anderen beiden auf. Nach Carlsfeld ging es wieder übers Feld aufwärts und dann in den Wald. Die beiden hinter mir machen dann bergab viel Druck und gehen bald vorbei. Der Läufer im weißen Shirt läuft vor zum gelben Shirt. Der andere Läufer mit schwarzer Jacke ist vor mir. Ich hatte kontrolliert, dass alle 3 Läufer nicht in der Behördenmeisterschaft starten. Dennoch will ich den schwarzen nicht auch noch weglaufen lassen. Beim längeren Bergab nach Wildenthal sind dann aber doch alle 3 vor mir. Wir laufen kurz die Straße durch den Ort, der Abstand wird nicht größer. Wir biegen wieder leicht rechts hinauf auf den asphaltierten Weg, mein Lieblingsanstieg auf der Strecke. Ich kann den „Schwarzen“ wieder einsammeln, „Gelb“ und „Weiß“ knapp vor mir. Nach über 2,5 km sind wir oben, danach wird mein Rückstand wieder größer, da es zur Talsperre Sosa bergab geht. Hier laufen wir anders – nämlich kürzer – als sonst. Mir ist allerdings nicht aufgefallen, wo die ursprüngliche Strecke lang gegangen wäre. Wenn der Regen und Wind mal von vorn kommt, wird es schon ganz schön kalt und ungemütlich. Meistens ist diese miese Wetter aber auszuhalten. Relativ schnell war ich eh komplett nass, da haben sich die thonimara-Klamotten wieder gelohnt. An der nächsten Getränkestelle treffen wir auf die Radfahrer. Jetzt darf ich nicht ohne Schulterblick die Wegseite wechseln. Ich darf nur nicht zu sehr trödeln.

Endlich biegen wir rechts über die Rektorbrücke. Es geht jetzt weiter leicht abwärts, wo man gut Tempo machen kann. Ich begnüge mich damit, nicht noch langsamer zu werden. Bald kommt der Abzweig nach links, steil den Berg hinauf. Meine Beine wollen das nicht. Vor mir sehe ich den jungen Läufer in gelb. Aber am Berg war er immer stark. Ob ist die nächste VP und ich nehme mein letztes Gel. Den gelben Läufer sehe ich auf der „steilen Abfahrt“ nach Wolfsgrün nicht mehr, bin auch recht langsam. Unten angekommen, geht es auf die Straße nach Neidhardtsthal. Nun sehe ich den Läufer auch wieder vor mir. Wird er etwa langsamer? Komme ich näher? 8 km vor dem Ziel beschließe ich, es wenigstens zu versuchen. Ich komme näher. Nach Neidhardtsthal geht es etwas mehr ansteigend die Straße hoch und ich verkurze Meter um Meter. Am Abzweig zur Talsperrenmauer Eibenstock bin ich dahinter und in der Verpflegungszone gehe ich mit viel Druck vorbei und versuche gleich eine Lücke zu reißen. Das gelingt. Aber ich muss weiter drücken, auch auf dem steilen Anstieg nach der Staumauer. Oben auf dem Waldweg hoffe ich, dass die Lücke schon reichen könnte, darf aber nicht zu sehr nachlassen. Endlich geht es rechts rum in den finalen Anstieg durch den Wald. Vorbei an ein paar Radlern und Radlerinnen. Dann noch übers Feld und den Parkplatz zum Stadion.

Nach 2:53:19 h laufe ich als Gesamtdritter erleichtert durchs Ziel und kann zuerst meine Mutter abklatschen, die gleich danach an den Start des Halbmarathons geht.

Nach drei 4. Plätzen habe ich es diesmal aufs Podest geschafft. Die Behördenmeisterschaft gewinne ich zum 3. Mal nach 2013 und 2014.

Die Strecke betrug laut meiner Uhr gar nur 38,21 km mit 780 Höhenmetern. Leider kann ich den Lauf nicht als Marathonfinish zählen.

der Lauf bei Strava

 

Stauseelauf Chemnitz-Oberrabenstein

Sonntag, 11. September, 11:00 Uhr, 25 km

Das wird ja eine schöne Hitzeschlacht werden. Nach Regen und 10°C im letzten Jahr gab es diesmal schwülheißes Wetter. Ich konnte es deshalb bei gemütlichem und kurzem Eintraben belassen. Noch ein Gel genommen und dann ging es 11:00 Uhr auch schon los.

Vorn setzten sich 3 und mit etwas Abstand noch 2 weitere Läufer ab. Als dann André Kirmse neben mir war, nahmen wir Fahrt auf und zogen uns bis nach den Sprungschanzen Grüna (km 10). Die vielen schattigen Passagen machten das Laufen noch angenehm, aber dort wo Sonne war (am Waldrand oberhalb von Grüna), stand die Luft. Im Wurzelaufstieg nach km 10 musste André abreißen lassen, obwohl er meist schneller ist als ich. Wir trafen auf das 10 km Feld. Ich pflügte hier ordentlich durch, da es bergab vorbei am Campingplatz bis hinunter zum Parkplatz Golfbadsauna ging. Hier scharf links in den kurzen, aber sehr knackigen Anstieg zur Staumauer. Kurzes Ausruhen auf der Staumauer und dann die Wiese hoch Richtung Parkplatz. Oben schnell das mitgeführte Gel „Frodissimo“ einverleiben, da gleich die Wasserstelle am Parkplatz kommt. 2 Becher Wasser reichen eigentlich nicht aus, aber mehr Hände habe ich gerade nicht dabei.

Nun beginnt die 2. Runde, genau wie für die 10er. Dabei überhole ich das komplette Frauenteam unseres Vereins. Manch andere Läufer führen große Mengen an Münzen oder Schlüssel mit, das verstehe ich immer noch nicht. Bald kommt der Abzweig zum Totenstein und ich bin allein unterwegs. Platz 5 vor mir ist nicht mehr weit weg, mal sehen was noch passiert. An der Wasserstelle am höchsten Punkt dusche ich nochmal, was aber nur kurzzeitig Kühlung bringt. Bergab bis zum Waldparkplatz gebe ich nicht alles, die entscheidenden Stellen kommen erst danach. Beim ersten Wurzelpfad am Gartenzaun tippele ich in praller Sonne vorsichtig hoch, oben brauche ich eine Weile, um wieder in den WK-Schritt zu kommen. Dann bergab und hinein in den steilen Stufenanstieg, brutal, heute ganz besonders. Danach läuft es sich so dahin vorbei an Forsthaus, den Schanzen und Campingplatz. Ich scheine nach hinten etwas Luft zu haben. Deshalb gönne ich mir auch ein verhaltenes Überlaufen der Staumauer mit Anstiegen davor und danach. Beim Blick zurück erkenne ich zwar einen Verfolger, mein Vorsprung ist aber groß genug. Meine Bestzeit von 1:44 h ist gerade auch vorbei, also nur noch mit Anstand ins Ziel.

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150 m vorm Ziel, rechts: Marion Lorenz

Als 6. gesamt habe ich 1:45:43 h gebraucht, was völlig in Ordnung ist. Es ist auch noch der Altersklassensieg herausgesprungen, was mir einen Pokal und ein großes Badetuch beschert, welches ich anschließend gleich am Stausee einweihe.

Die Uhr hat 24,21 km mit 453 Höhenmetern gemessen.

mein Strava-Lauf

Beginn Trainingsplan Herbstmarathon

Heute startete ich in den 8-wöchigen Trainingsplan für den Herbstmarathon. Geplant ist der Dresden-Marathon am 23. Oktober. Dort werde ich 10 Jahre Marathon „feiern“, der erste Marathon war der Dresden-Marathon 2006, mit wenig Vorbereitung wurde es eine 3:50 h, aber der erste war geschafft.

Dieses Jahr habe ich bisher nur für Ultra trainiert, so dass ich in den 8 Wochen jetzt etwas Gas geben muss, also wirklich mehr Tempo trainieren. Deshalb habe ich mich für den Countdown vom Greif entschieden. Ich glaube, danach habe ich bis jetzt noch nie trainiert, wird also mal Zeit. Geplant sind erstmal 7 Einheiten je Woche. Die langen Läufe werde ich allerdings häufig bei Wettkämpfen absolvieren, weshalb der ein oder andere normale Dauerlauf eventuell ausfallen kann/muss.

Das Zeitziel für Dresden ist relativ klar: unter 2:50 h wäre schon schön. Die Bestzeit von 2:54:31 h lief ich letzten Herbst beim Rügenbrückenmarathon mehr oder weniger im Alleingang, bei Regen und nicht einfacher Strecke. Dabei hatte ich keinerlei Probleme mit dem Tempo. Diesen April schaffte ich dann 2:57:03 h in Leipzig, obwohl ich die 2 Sonntage davor auch jeweils einen Marathon (3:07 h und 3:06 h) gelaufen bin und zuvor nur einen langen Lauf nach mehreren Krankheiten in den Beinen hatte. Deshalb bin ich für den  Herbst zuversichtlich.

Und 2:48 h sind der 4:00 min/km-Schnitt…😉

100 km Leipzig – Kurzbericht

Die erste Rennstunde hat es noch geregnet, später wurde es immer heißer, so dass es schwülheiß war.
Die ersten 3 der 10km-Runden liefen sehr gut, aber schon von 35 – 40 km hatte ich meine erste Krise mit Magen und Kreislauf.
Nach einem Tief kommt meist wieder ein Hoch, so dass ich die Hälfte planmäßig in 3:46 h absolviert hatte.
Ich fühlte mich richtig gut und hatte Hoffnung, dass ich versuchen könnte, die 8 h zu unterbieten. 51er-Runden hätte mir jetzt gereicht.
Leider begann ab ca. km 70 der linke Fuß zu krampfen, was auch nicht mehr aufhören wollte. Dadurch musste ich Druck rausnehmen, denn ein gescheites Auftreten und Abrollen war nicht mehr möglich. Gleichzeitig hatte dies durch Schonhaltung negativen Einfluss auf den rechten Oberschenkelmuskel.
Dennoch hatte ich mich nach 90 km auf Platz 8 gesamt vorgearbeitet (nach 30km auf Platz 15).
Der Landesmeistertitel war mir nun sicher. Leider musste ich 2 andere Läufer passieren lassen. Auf dem letzten Kilometer (4:38 min) konnte ich doch nochmal etwas flüssiger laufen und unter 8:10 h bleiben. Mit 8:09:38 h (4:54 min/km) bin ich meine zweitschnellste Zeit gelaufen, was ich vor dem Lauf nicht für möglich hielt.
Es war der 4. LM-Titel insgesamt, der 3. in Folge.
Der 2. Platz M 35 in der DM ist sicherlich mein größter Erfolg bisher.

Adelsberglauf

Am 18. Juni hieß es wieder Adelsberglauf. 2005 war die 4,8 km-Strecke mein allererster Lauf-WK. Ich kehrte aber erst 2010 zurück und starte seitdem auf der 19,8 km Variante.

Ich lief zum Start, was rund 6,5 km waren. Leider war es irgendwie sehr warm für mich, das kann ja heiter werden. Bis zum Start hatte sich das Wetter etwas läuferfreundlicher gebessert.

Nach dem Start geht es leicht ansteigend die Adelsbergstraße hoch, wo ich zunächst gut unterwegs bin. Doch schon an den folgenden Anstiegen am Schösserholz sieht das anders aus. Zum Glück geht es danach erstmal lange bergab in Sternmühlental. Hier kann ich sogar ohne großen Aufwand einen Platz gutmachen. Doch sogleich kommt der nächste Anstieg, geht noch. Oben auf dem kurzen, ebenen Stück nehme ich das mitgeführte Gel, denn es wird ja nicht leichter. Der steile Geröllabstieg wird von Jahr zu Jahr schwieriger zu laufen. Dann folgt der schöne Waldpfad, hier verliere ich 2 Plätze, was solls, mehr geht gerade nicht.

In der Linkskurve bekomme ich Platz 10 durchgegeben. Jetzt geht es parallel zum Bach das Sternmühlental wieder aufwärts. Es wird schwerer. Nach der Wasserstelle kommt der 1,5 km lange Anstieg Richtung Adelsberg. Ich habe zwar keine Kraft, aber die 2 vor mir kommen kaum weg. Vor der 2. Wasserstelle geht es mal kurz bergab, wo ich einen Platz gutmachen kann. Wasser und wieder hoch, am Feld entlang und an dessen Ende ganz fies hoch. Ich kann meinen Platz behaupten. Wieder leicht abwärts zur Straße vor, selbige dann Richtung Adelsbergturm und rechts runter in den holprigen Feldweg. Blick nach hinten: da sind gleich mehrere Läufer, die mir noch gefährlich werden könnten, also nicht nachlassen. ich passiere einige Walker, der andere Läufer vergrößert seinen Vorsprung. Dafür komme ich Georg in auffälligem Grün näher.

Unten über die Straße und der letzte kleine Anstieg hoch zum Balzacweg. Na, viel ist in meinen Beinen jetzt nicht mehr drin. Die 2 vor mir gut in Sichtweite, allerdings kaum Raumgewinn. Endlich unten auf der Adelsbergstraße angekommen geht es jetzt straff dem Ziel entgegen. Robert Walker vom LVL meint, ich könne den vor mir noch packen. Ich winke aber ab. Dann steht mein Teilzeittrainingspartner Micha mit Rad am Straßenrand und gibt mir den entscheidenden Ansporn. Direkt vorm Abzweig auf die Cervantesstraße kann ich an Georg doch noch vorbeigehen, hoch zum Sportplatz ist Micha wieder da, feuert mich an und gibt mir Sicherheit, dass der Vorsprung groß genug ist. Ab durchs Tor auf den Fussballplatz. Die letzten 100 m kann ich es jetzt ausklingen lassen, d. h. ich muss schon rausnehmen, da der Zwischenspurt heftig war. Deshalb brauche ich auch sehr lang zum Erholen.

Mit 1:19:38 h war ich wenigstens noch unter 1:20 h im Ziel, allerdings musste ich mich für schnellere Zeiten schon weniger anstrengen.

Platz 8 gesamt und 2. in der M35

Ergebnisse

Die gemessene Streckenlänge waren nur 18,52 km bei 407 Höhenmetern.

https://www.strava.com/activities/613326540/embed/d10eca4f1e16269f6ee539bd211b76792540a056

 

 

 

44. Rennsteiglauf – mein 9.

Zeitraum zwischen Leipzig-Marathon und Rennsteiglauf sind 4 Wochen. So ganz ausgekotzt habe ich mich in Leipzig nicht, da müsste ich nach ein paar ruhigen Tagen nochmal schön für den Rennsteig trainieren können, brauche noch Höhenmeter. Gleichzeitig haben wir Yvonnes Startplatz beim Rennsteig an Peggy übertragen. Somit wird mich Yvonne beim Rennsteig nur im Auto begleiten.
4 Tage nach Leipzig bin ich mit dem schnellen Michael Kämpf auf einer Runde über den Chemnitzer Pfarrhübel unterwegs. Im Oberschenkel hinten links zieht es ein wenig, wie die letzten Tage, bestimmt Folge des Marathons bei kühlen Temperaturen. Der Zug im Muskel wird aber immer stärker und im seichten Anstieg zum Sportforum muss ich 200 m davor stehenbleiben. Es fühlt sich an, als würde bei weiterer Belastung was reißen. 2 Laufversuche an den folgenden Tagen werden nach 3 bzw. 3,5 km beendet. Auch meinen Start beim Oederaner Lauftag muss ich somit absagen. Trotz kompletter Laufpause habe ich nicht das Gefühl der Besserung. Dann steht sogar mein Start bei „Rund um Chemnitz“ am 7. Mai auf dem Spiel. Am Nachmittag davor geht es in nagelneuen Schuhen (geplant für den Rennsteig) auf eine leichte Testrunde. Naja, RuC kann ich zumindest angehen, muss kleine Schritte machen und hoffen, dass es bei dem vergleichsweise niedrigem Tempo (6:30 min/km) lange gut geht.
Etwas mulmig mache ich die ersten Schritte, schön kurz und vorsichtig. Aber jetzt schmerzt erstmal der untere Rücken ganz ordentlich, was ist da los? Das gibt sich aber allmählich wieder und das andere Problem ist auch aushaltbar. Bei der Mittagspause frage ich den mitlaufenden Physio René, ob er mir irgendwie helfen kann. Kann er, seine Vermutung ist richtig und eine kleine Übung nach dem Mittagessen bringt Schmerzfreiheit für den Rest des Tages, sodass ich die rund 62 km mit 1.000 Hm zu Ende laufen kann.
Na gut, dann muss ich eben meine Ansprüche für den Rennsteig weiter senken. Obwohl unter 6:30 h wäre schon schön, habe ich 4-mal geschafft und letztes Jahr mit ebenfalls mittelmäßiger Vorbereitung relativ sicher.

Die Nacht im Hotel ist für mich eher unruhig, ist aber immer so. Gegen 5:15 Uhr sind wir dann auf dem Markt in Eisenach. Wir treffen noch viele Freunde und Bekannte. T-Shirt sollte heute ausreichen, denn es sind jetzt schon 12°C, es soll trocken bleiben und noch wärmer werden. Dann schaffe ich es ziemlich weit nach vorn im Startbereich. Kraxi aus der Steiermark kommt dazu, durchs Schwatzen vergeht die Zeit bis zum Herunterzählen schneller.

Auf den ersten Kilometern arbeite ich mich vorsichtig nach vorn, immer wieder von Bekannten umgeben. Nach 7 km biegen wir auf den Rennsteig ab, wie immer viele Leute mit viel Lärm. Ich bin im Fahrplan des letzten Jahres, 10 km knapp unter 50 min. Teilweise läuft mir das Wasser runter, da die Luftfeuchte hoch ist. An der ersten großen Verpflegung nach 17 km nehme ich reichlich Haferschleim, lecker und gut. Nun werden die Anstiege steiler und länger, meine Beine sind alles andere als locker. Ich beschließe, an den Bergen deutlich rauszunehmen, um auf dem letzten Drittel nicht völlig einzubrechen. Mit deutlicher weniger Druck läuft es sich auch gleich entspannter, wobei es eine Weile braucht, bis mich die viele Überholer nicht mehr stören. Nach 23 km spaziere den Anstieg am Dreiherrenstein fast schon hoch. Hier überholt mich erst Ronald Speer und Kraxi. Ursprunglich muss ich also mal weit vorn zwischen 20 und 40 gelegen haben.

Die Zeitnahme auf dem Gr. Inselsberg löse ich nach 2:15:45 h aus, 4:58 min hinter der Zeit aus 2015. Ich finde, dass hält sich noch im Rahmen. Unten am VP erwarte ich das erste Treffen mit Yvonne. Ich teile ihr kurz mit, dass die Berge nicht „laufen“ und ich deshalb langsamer sein werde. Spätestens hier müsste sich mein Ziel „6:59 h“ verfestigt haben. Ich versuche, dort wo es möglich ist, flott zu laufen. Nach km 30 checke ich, dass der Läufer in weißem T-Shirt und Vollbart Axel Teichmann ist. Seit km liefen wir im ähnlichen Bereich. Ich bin dann ein Stück neben ihm und hätte ihm fast erzählt, dass ich vor 4 Wochen ein Stück neben Tino Edelmann lief. Mit einem Kumpel setzt er sich dann aber an einem Anstieg ab. Ich habe einen schönen Rhythmus gefunden und komme nach 3:17:41 h an der Ebertswiese (37,5 km) an. Jetzt sind es schon 9:03 min Rückstand zu 2015. Mittlerweile ist es schon spürbar wärmer geworden, ich brauche viel Flüssigkeit und natürlich Heidelbeersuppe, wie der Schleim hier beworben wird. Ich tausche noch eine paar Worte mit Thomas Müller aus und wandere den Anstieg hoch, nicht ohne den Abzweig in den Spittergrund zu würdigen, der beim ThüringenUltra zu laufen ist. Jetzt werde ich aber zu Hauf überholt. Ich muss das allerdings ausblenden; 6:59, 6:59, 6:59 lautet mein Mantra.

Dann steht Yvonne oberhalb des VP Nesselhof an der Strecke, kurzer Zustandsbericht, ein Schluck kaltes Iso, weiter. VP und dann dieser nervige Anstieg, wandern, überholt werden, doppelt nervig. Kurz danach wieder runter und Marathondistanz absolviert, keine Zeit zur Freude, jetzt der böse Sperrhügel. Viele Wanderer, ich kann auch nur hinauf wandern, mit noch weniger Druck als letztes Jahr. Oben läuft es etwas besser, am VP nach 45 km trinke ich wieder viel, jetzt wird es etwas eintönig. Heute keine Pfützen auf diesem Abschnitt, erstmals (?) bei meiner 9. (!) Teilnahme. Mir ist warm, aber die Unterarme sind meist kühl, merkwürdig. 6:59, 6:59, 6:59, nicht zu sehr trödeln. Ich komme langsam aber flüssig voran. Trotzdem zieht es sich, ehe nach einer weiteren Getränkestelle, der Grenzadler langsam in die Nähe kommt. Die Zeitnahme löse ich nach 5:02:07 aus, 17:49 min hinter 2015. Nach der Straßenquerung steht Yvonne an der Hütte, welche beim Rennsteig-nonstop als VP bei km 105 dient. Danach komme ich den fiesen Anstieg gut hoch, dann das Rondell. Die nächsten kleinen Anstiege tun auch weh, es ist warm. Dann sind am VP Sommerswiese schon mal 60 km im Sack. Der Weg von dort bis zum Schlussanstieg Gr. Beerberg lässt sich immer noch schlecht laufen, den anderen geht es aber auch nicht besser. Den Beerberg selbst kann ich dieses Jahr auch nicht hochrennen. Ich fühle mich immer noch nicht sicher unter 7 Stunden im Ziel.
Dann komme ich aber doch ins Rollen und mache die erste Plätze gut. Streckenkenntnis zahlt sich auch aus. Reserven muss ich ja auch nicht mehr übriglassen. Dazwischen noch VP Schmücke nach 6:01:49 h (20:25 min langsamer als 2015), hier nochmal viel Cola.

Nach 69 km ist der letzte Anstieg geschafft, was ich einem anderen Läufer mitteile, der sich darüber zu freuen scheint. Nochmals etwas Wasser und dann geht es die breiten Wege entlang der Wanderer hinab gen Schmiedefeld. Es ergibt sich, dass ich hinter einem Läufer bin, der mich vor längerer Zeit überholt hatte. Wir spornen uns gegenseitig an und werden immer schneller. Der 71. km dauert nur 4:09 min. Nach der nächsten scharfen Linkskurve steht Yvonne mit dem großen Rucksack, sie meckert, dass ich ja nun doch viel zeitiger sei. Der letzte km ist angebrochen, es geht die schmalen Wege entlang, viele Wanderer, tolle Stimmung. Der andere Läufer von eben überholt mich nochmal. Dann die Straße, welche in die Zielgasse mündet. Der Zieleinlauf ist wie immer toll und dann bin ich tatsächlich brutto noch unter 6:46 h im Ziel.
Mit dieser Zeit und dem Rennverlauf bin ich zufrieden und kann den restlichen Tag und Abend genießen.

85 Wettkämpfe mit mindestens Marathondistanz (48 x Ultra)

Von der Schmücke ins Ziel habe ich nur 44:01 min gebraucht, 2015 waren es 43:23 min.
Am Ende belege ich Platz 81 + 5 Frauen und Platz 15 in der M35.

Zwischenplatzierungen:
Inselsberg: 81
Ebertswiese: 87
Grenzadler: 108
Schmücke: 97
Ziel: 81
Je nach Sichtweise habe ich entweder zwischendurch gebummelt oder mir mein Rennen clever eingeteilt.

Damit war mein Frühjahr der Klassiker beendet:
47. Göltzschtallauf38. Werdauer Waldlauf40. Leipzig-Marathon44. Rennsteiglauf